Werkstatt
Als am 4. Oktober 2010 die Werkstatt des Schiller Theaters mit einem Doppelabend der beiden Komponisten Peter Maxwell Davies und Salvatore Sciarrino eröffnet wurde, überschlug sich die Presse vor Begeisterung: Von »spektakulärer Guerilla-Manier«, der »brodelnden kleinen Werkstattbühne « war da zu lesen, mit der »die Staatsoper an die Spitze der musiktheatralischen Avantgarde « gesprungen sei. Bei soviel Zustimmung konnte es einem schon wieder unheimlich werden, denn es wurde dabei deutlich, wie sehr hier eine weiße Stelle in der doch so reichen Berliner Opernlandschaft offenbar wurde, die in den letzten Jahren nur sehr unzulänglich und sporadisch gefüllt wurde – ein kontinuierlich bespielter Raum für neues Musiktheater innerhalb der drei großen Opernhäuser. Nun muss man zugeben, dass die Werkstatt des Schiller Theaters auch ein idealer Ort für derartige Unternehmungen ist. Der kleine, frei benutz-, bespiel- und bestuhlbare Raum ist für jeden erkundungsfreudigen Musiker, Regisseur, Ausstatter und selbstverständlich das Publikum eine wahre Goldader. Viele Stücke, die aufgrund ihrer kleinen Besetzung, ihrer intimen Atmosphäre oder ihrer genreüberschreitenden Charakteristik so gut wie gar nicht auf den »normalen« Bühnen gezeigt werden können, fristen ihr unverdient trauriges Schicksal auf den Wunschlisten der Theater- und Opernmacher, die diese meist aber mit dem Stoßseufzer »Das sollte man doch mal machen, aber wo ...?« wieder in die Schublade zurück legen. Nicht so im neuen Domizil der Staatsoper. Denn in der Werkstatt können all diese Stücke zu ihrem Recht kommen.
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